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die wirklichkeit von der sie alle reden

Blog-Beiträge bei die wirklichkeit von der sie alle reden

19.09.2019 10:36

Die Plastiktüte - ein echtes Sühne-Schnäppchen

Wie viele Einkaufstüten man wohl aus einem einzigen E-Scooter kriegt?Und wie viele Klarsichtfolien sind verfüllt mit Strategiepapieren gegen die Plastiktüte?Egal.Die Tüte hat es erwischt. Sie soll verboten werden vor allem anderen. Möge der Supermarkt vor in Plastik Eingeschweißtem strotzen - an der Kasse sitzt Greta. Hier stranden die Weltmeere.Auch die Glühbirne, so fett eingeschweißt, als wollte man sie über Afrika abwerfen, wird bedenkenlos durchgewunken, wenn erst einmal die Klimahexe Plastiktüte gebannt ist.Sie lädt (man kennt das aus Religionen) alle Sünde auf sich. Die aus Zentnern von Werbeprospekten recycelbare Papiertüte ruft "Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken."Die Plastiktüte ist also die ideale Verpackung der Umweltscham.

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19.09.2019 10:13

Verähnlichung

Man weiß und sieht seit langem, dass Menschen in Paaren oder Menschen und ihre Hunde einander immer ähnlicher werden. Das ist fast immer komisch und daher erfreulich, denn wir sind für jede Aufheiterung dankbar.Indes erweist sich diese Ähnlichkeitstendenz bei gründlicher Beobachtung als wesentlich universeller, als sie nur auf enge Lebensgemeinschaften anzuwenden.Zunächst bemerkte ich, dass der Backhähnchenverkäufer in seinem Verkaufswagen irgendwie auch gegrillt aussah. Es würde sicher knuspern, wenn man ihm in die Wange kniffe, was sich nicht schickt.Die Gesichter der Ärzte auf dem Krankenhausflur, hatten sie nicht einen Anflug von Schmerz?Schlagersänger ähneln sogar zunehmend den Hallen, in denen sie auftreten.CellistInnen scheinen eher in die Breite zu gehen als Geigespielende.Sparkassenmitarbeiter ähneln sogar dem Kontostand ihrer Klientel.Unklar ist, was Ähnlichkeitswerdungen auslöst. Allen, die darüber staunen und grübeln, werde ich wahrscheinlich immer ähnlicher.

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16.09.2019 09:39

Das Diadem des Bildungsbürgers

Museumsbesucher sind an der Leine zu führenVon unsichtbaren Fäden gezogen, treiben mit Audio-Guide gekrönte Häupter wie  Nesselquallen durch die Ausstellungsflure, nötigenfalls durch mich hindurch, sollte ich dem gewisperten Befehlen in ihren Ohrmuscheln im Wege stehen.Man kann jetzt auch nicht mit ihnen sprechen, denn sie werden gerade mit dem 24-bändigen Brockhaus aufgeladen.Der ich unverstöpselt durchs Museum laufe, werde mit verächtlichen Blicken bespuckt.Mir jedoch scheint es immer klüger, Belehrung zu meiden. Natürlich verstehe ich im Unterschied zu den Zeitgenossen Tizians nicht jeden biblischen Hintergrund eines Gemäldes. Aber sollte ich das Nachschlagen dem Betrachten vorziehen?Käme ich nicht eben dadurch den erwähtnen Zeitgenossen nahe, dass ich nicht in der Luft mit Bildung betankt werde, sondern mir einfach nur Zeit nehme, mich auf das Schauen einzulassen?Manchmal fummeln die Audio-Guide-Träger nervös an ihrem Audio-Guide herum, weil er die Geheimnisse des Bildes plötzlich für sich behält wie ein verplombtes Orakel. Zum Fummeln setzt sich der Gestörte hin, als erlahme auch seine eigene Batterie. Viel zu fummeln gibt es an den Dingern nicht, und er muss zum Eingang, sich neu beguiden lassen. So, wie er schaut, sollte man ihn malen.

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13.09.2019 18:33

Demokratiedefizite in Märchen

Offenbar gibt es keine Märchen, die in Republiken spielen. So sehr ich herumzappe. Ich mache mir langsam Sorgen. Ob das pädagogisch nicht doch etwas bedenklich wird? Klar ist eine Demokratie weit weniger dekorativ als ein barocker Hofstaat. Weder A. Merkel noch F.W. Steinmeier laden zum Kronenschmuck ein. Eine Prinzessin zu verheiraten ist viel romantischer als einen Koalitionspartner zu finden. Aber was sagt der Rechnungshof dazu, das halbe Königreich als Mitgift zu verschleudern? Die Happyends vieler Märchen basieren auf bejubelter Ausbeutung. Verständlich ist der feudale Hintergrund natürlich noch bei den Brüdern Grimm in ihrer Zeit. Höchstens gibt es da gesellschaftlich neutrale Räume, in welchen die Agierenden dann aber auch einzig auf sich gestellt sind. Hänsel und Gretel müssen im rechtsfreien Raum des Knusperhäuschens ohne Polizei und Staatsanwalt auskommen. Rotkäppchen hat auch nur Glück, dass der Wolf noch nicht unter Bestandsschutz steht. Märchen, heißt es, lassen der Fantasie freien Lauf. Warum kann Schneewittchen nach Abschaffung der Stiefmutterdiktatur nicht auch mal freie Wahlen ausrufen? Unterstützt von der Bundeszentrale für politische Bildung. Das halbe Königreich kann ja zur Not über Staatsanleihen finanziert werden. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann zahlen sie noch heute.

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12.09.2019 18:25

Leuchtende Worte

Es gibt Worte, die eine solche Leuchtkraft besitzen, dass deren materielle Entsprechung immer wieder aufs Neue maßlos enttäuscht. Zum Beispiel „Cafeteria“. Nie werde ich mich ganz daran gewöhnt haben, dass dieses südlich-sonnige Wort nur einen neonfahlen SB-Ausschank maskiert. „Cafeteria“ kann sogar, wie ich erst jetzt nicht ohne Erschrecken entdecke, ein bakterienfressender Einzeller sein. Wer weiß, was da noch alles kommt. Menschen, die ihre Naivität bewusst erkaltend abgelegt haben, erwarten gar nichts mehr hinter schönen Worten. Man kann sich hingegen heute gar nicht die falsche Erwartung in mir vorstellen, die ich, als alles neu war, an das ebenso blendende Wort „Gewerbepark“ gerichtet hatte. Noch heute heißt es in der Wikipedia, welche bekanntlich ein rechter Wissenspark ist, dass ein Park „der Verschönerung und der Erholung“ diene. Man wird zugeben müssen, dass leider die wenigsten Gewerbe der Verschönerung und Erholung dienen. Und dass der Gewerbepark schlussendlich doch eine parkähnliche blühende Landschaft wurde, lag vor allem an dessen Nichtauslastung. Manche Straße aus dem riesigen Kreisverkehr mündet noch heute nach wenigen Metern im grünen Nichts. „Hier eine Cafeteria!“, sage ich mir dann.Bei „Park“ muss generell eine Schutzfrist abgelaufen sein, wohl weil Lenné und Pückler lang genug tot sind. Selbst ein Gestrüpp Windkrafträder darf „–park“ enden.Ich erwarte stündlich, dass Europa zum Schuldenpark ernannt wird. Wenigstens die Cafeteria kann man sich dann hoffentlich noch leisten.

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10.09.2019 18:21

Die Farbe der Kinder

Mit ihren quietschbunten Schulranzen und ebenso anschlaggrellen Klamotten sehen die Kinder aus wie Bonbontüten auf Beinen. Es barmt mich ihrer jedes Mal. Dass Kinder in ihrer Farbenpracht dem Autofahrer auffallen mögen, mag eine edle Absicht sein,die allerdings von der geschmacklichen Verwahrlosung aufgewogen wird. Wie soll ein Mensch in diesem Farbenlärm zur Besinnung kommen? Gewiss werden die grauenhaft kolorierten Kleinen nicht überfahren, aber geschmacklich überrollt allemal. Und manches Mal, wenn plötzlich so eine kleine Litfasssäule um die Ecke kommt, verliere ich vor Schreck beinahe die Gewalt über das Fahrzeug. Mein Schulranzen war nichts als lederfarben, ein helles Braun. Er roch nach Leder und sah nach Leder aus, ebenso wie die so genannte Federtasche. Ich habe es niemals vermisst, dass auf meiner Schultasche weder Prinz Eisenherz noch Superman, Biene Maja, Pittiplatsch oder ein Säbelzahntiger abgebildet waren. Allein ehrliche Tintenflecke und speckig abgewetzte Partien adelten das Ding. Ich wusste, dass es aus Tierhaut gemacht wurde. Blass waren auch die Buntstifte und die Wasserfarben für den Zeichenunterricht. Bis zuerst die so genannten Filzstifte einmarschierten. Die Farben begannen zu leuchten, aus dem Papier zu springen. Es war ein Angriff. Heute befällt mich helles Entsetzen bereits beim Blick in Kinderzimmer oder Läden für den Schulbedarf, die man in ihrer Grelle nur mit Sonnenbrille betreten kann. Es wird so oft darüber gesprochen, Gewalt gegen Kinder zu vermeiden. Hier könnte man anfangen.

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07.09.2019 18:16

Würde, wiedergefunden

Den Schaltplan unseres alten Fernsehers wiedergefunden. Er vermittelte einem noch sehr das Gefühl, dass einem auch gehört, was man kauft. Das hielt man damals für eine Selbstverständlichkeit. Den Fernseher durfte ich aufschrauben und nach Herzenslust Röhren tauschen. Es luden auch zahlreiche Stellschrauben ein. Heute wird das Eigentum gut vor dem Besitzer geschützt. Ich erhalte beim Kauf nicht nur keinerlei Informationen über das Innere meines Computers, ich bekomme von diesem auch eindeutig mitgeteilt, dass ich mir zum Beispiel bestimmte Dateiverzeichnisse gar nicht anschauen darf. Zugang verweigert. Ist das Eigentum womöglich (wieder mal) abgeschafft? Ist die Microsoft-Lizenz eine neue Spielart gar feudaler Leibeigenschaft? Was mag die Herabstufung vom Eigentümer zum User = Nutzer aus uns machen? Geduckte Abhängige, fürchte ich, Gnadenempfänger, am Tropf hängend. In der Cloud weiß keiner, wo sich überhaupt befindet, was ihm eh nicht richtig gehört. In der Tundra? Auf Feuerland? Und wenn es Tante Microsoft gefällt, kann sie garantiert über ein „Update“ meine Kiste lahmlegen. Im Kriegsfall zum Beispiel. Oder aus Versehen. Öffnete ich, keine Ahnung wie und womit, meinen PC, wäre ich wohl schon ein Hacker. Es fühlte sich eindeutig krimineller an als wie ein Schwein in das Innere des alten Fernsehers zu starren. Den Schaltplan des alten Kastens hebe ich auf. Es ist eine Erinnerung an die Zeit der für möglich gehaltenen Mündigkeit.

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06.09.2019 18:11

Wo Zukunft ist und wo nicht

Wie sehr unterscheidet sich doch das Erwarten eines neuen iPhone-Modells von, sagen wir mal, einem neuen Bügeleisen oder Rührstab! Pressetechnisch wie ein Royal Baby von einem Arbeiterkind. Auf die Schlagzeile „Erste Fotos von neuem Philips-Toaster aufgetaucht“ wartet man vergebens. Die Innovation ist bei solcherart Gerätschaft auch meist nahe Null.Wie zu Kohls Zeiten muss man in den Geschirrspüler kriechen, um Salz nachzufüllen.Erwartung, Herbeisehnen, Hoffnung verbindet sich nicht mit Wasserkochern.In diesen Sparten ist wahrscheinlich die Evolution abgeschlossen. Der Weltgeist hat sich gefunden. Gute Nacht.Nie aber darf das Eifon endgültig gut sein. Auch nicht das Gälläxi. Es muss immer ein Rest Erwartung bleiben. Die Menschen wollen Zukunft. Irgendwoher muss sie kommen.

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05.09.2019 10:21

Die Entpferdung des öffentlichen Raumes

Erst jetzt aufgefallen, dass keine Reiterstandbilder mehr aufgestellt werden.„Guten Morgen!“ ruft ein jeder, denn das hätte bitte sehr schon vor zwanzig Jahren geblogt werden können. Ist aber nicht.Gemessen an der mehrtausendjährigen Ausdauer, mit welcher Mann-auf-Pferd (feminine Ausnahme: Johanna von Orleans) in Bronze getrieben wird, kommt der Abbruch der Produktlinie immer noch ziemlich plötzlich. Natürlich ist zunächst das Auto schuld, das zweierlei bewirkte: es demokratisierte die Fortbewegung (das Hochtrabende verschwand), aber es versetzte den sich Fortbewegenden auch in den Zustand der Sünde ob des Ressourcenverbrauchs. Der Fürst von gestern führte noch klimaneutral seine Kriege. Mit Auspüffen unter’m Hintern hingegen mochte man sich nicht auf dem Marktplatz verewigt sehen.Vorbei auch die Zeit, da sich die Herrscher darin zeigen, wie sie den Völkern voran reiten, wenn auch nicht immer mit gutem Beispiel, so doch mit gutem Pferd. Auch stehen heute die Ausgaben für personenbezogene Denkmäler grundsätzlich nicht mehr ganz oben auf den Veruntreuungslisten. Die meisten Denkmale der letzten Jahre werden positiver Weise auch mehr den Opfergruppen von Machtexzessen als den Mächtigen gewidmet. Nach den Reitern kommen die Getretenen. Es gab freilich zwischen Reiterstandbild und Zuschandegerittenenmahnmal noch das kleine Intermezzo des besockelten Fußgängers, vor allem in der Mangelwelt des Stalinismus („Pferd ist aus!“), wo dem Blech-oder Stein-Lenin nur übrig blieb, einfach stehend irgendwo in die Ferne zu weisen oder, wie Marx und Engels in Ost-Berlin, an einer virtuellen Haltestelle sitzend/stehend den Lauf der Dinge abzuwarten, was überhaupt das Klügste war.Die Wendy-Phase der Denkmalgestaltung ist jedenfalls definitiv überwunden. Wir reiten überhaupt nirgendwo mehr hin. Die Pferde wissen das schon.

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03.09.2019 17:58

Blau wie Facebook

Zu den wenigen geschützten persönlichen Daten gehört im Internet der individuelle Promillespiegel der Beteiligten. Erst, wenn, wie wieder einmal, die facebook-Party von der Polizei aufgelöst wird, kriegt man mit, dass viele eigentlich gar nicht mehr den Daumen hochkriegen. All zu wohlwollend geht man bei allem, was man im Internet liest, von kristallener Geistesklarheit aus. Und denkt sich höchstens mal: ei, wie kömmt er da drauf? Oder: Wieso ist das kein Deutsch? Das Internet ist, obgleich selbst eine Sucht, suchtverhüllend. Die meisten torkeln anonym durch Foren und Chatrooms. Zum erinnern haben sie am nächsten Tag die History des Browsers. Vielleicht könnte man kleine USB-Pusteröhrchen erfinden, deren Messwerte dann in postings mitangezeigt würden. Inklusive vielleicht einem kleinen Ranking. Aber da greift wahrscheinlich der Datenschutz. Mein Bauch gehört mir und so. Damit muss ich weiterhin jede Wortmeldung fairerweise zunächst für stocknüchtern halten. Ich glaube an das Gute im Menschen! Und sei es nur ein guter Tropfen.

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Blogsonne 2019