Muskel Gehirn: Im Alter noch was lernen

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Sprachen lernen im Alter – Erkenntnisse aus der Psycholinguistik

Dass auch ältere Menschen sehr erfolgreich lernen können, zeigt eine wissenschaftliche Studie aus der Psycholinguistik. Senioren nahmen dabei an dreiwöchigen Englischkursen teil. Die Forscher aus Österreich und der Schweiz konnten zeigen, dass sich die Sprachkompetenz aller Teilnehmenden nach den Kursen signifikant verbessert hatte. Die älteste Studienteilnehmerin war fast 90 Jahre alt. Das Ergebnis ist bemerkenswert, denn gerade Sprache erfordert das optimale Zusammenwirken verschiedener Gehirnbereiche. Beim Unterhalten etwa muss gleichzeitig gehört, verstanden, gedacht und Zunge und Gaumen gesteuert werden. Auch hoch Komplexes wie Sprachen können alte Menschen augenscheinlich gut lernen.

Ein Sprachkurs für Senioren an der Volkshochschule Frankfurt brachte ebenfalls interessante Erkenntnisse. Die Lernkurve der Senioren schien sich nach Ansicht der Pädagogen nicht sehr von der jüngerer Teilnehmer anderer Kurse zu unterscheiden. Sie stieg eventuell etwas langsamer. Auffallend war aber die Inhomogenität der Seniorengruppe hinsichtlich kognitiver Leistungen und mentaler Fitness. Einige waren erfolgreicher. Diese Ergebnisse passen zu den Annahmen des schweizerisch-österreichischen Forscherteams aus der Linguistik: Positive Ergebnisse beim Sprachenlernen hängen vielmehr von kognitiven Fähigkeiten eines Menschen ab als von seinem Alter.

Kognitive Fähigkeiten von erfolgreichen Sprachen-Lernern

Die Linguisten konnten zeigen, dass besonders jene Senioren schnell lernten, deren Arbeitsgedächtnis gut war. Es steuert Konzentration und Aufmerksamkeit und fungiert als Kurzzeitgedächtnis. Im Alter wird es schwächer. Gelingt es nicht, gerade Gelerntes, etwa eine Vokabel vom Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis zu transferieren, wird es vergessen. Auch der Hippocampus, eine Struktur unterhalb des Großhirns, ist ein Tor zum Langzeitgedächtnis. Gelerntes muss hindurch, sonst geht es verloren. Der Hippocampus wird im Alter schwächer, verliert an Zellmasse.

Lernen lässt Hippocampus wachsen

Im Rahmen einer Studie der Bildungsforschung lernten Erwachsene über zehn Wochen eine Fremdsprache per App. Nach dem Training wies ihr Hippocampus mehr graue Substanz auf als vorher. Dies zeigten bildgebende Verfahren. Vermutlich hatten sich neue Nervenzellen gebildet, umso mehr, je länger die Lernzeit betrug. Die Chancen, dass sich auch bei Älteren Lernzuwächse beim Sprachen lernen, etwa über einen Senioren Internet-Kurs, auf andere Aufgaben positiv auswirken, sehen einige Forscher als groß an. Denn gerade Sprachenlernen fordert die Aktivität vieler verschiedener Gehirnbereiche, im Gegensatz zu einigen anderen Gehirntraining-Aufgaben.

Training des Gehirns hilft im Alter

Wenn das Gehirn im Alter abbaut, brauchen Menschen mehr Unterstützung des Kontrollsystems in ihrem Gehirn, denn manche Denkprozesse laufen dann nicht mehr wie ganz von selbst ab. Menschen, die bilingual aufwachsen, können im Alter schneller und konzentrierter denken. Ihr Kontrollsystem ist hinsichtlich Sprache anscheinend so trainiert, dass ihr Gehirn auch im Alter davon zehren und ressourcenschonend arbeiten kann, obwohl es an Kraft verliert.

Um lange kognitiv leistungsfähig zu bleiben, muss das Gehirn gefordert werden. Als Analogie kann ein Muskel dienen, der auch nur Leistung bringen kann, wenn er trainiert wird. Dass diesbezüglich gerade Sprachen lernen wichtig ist, zeigen Ergebnisse der Linguistik-Studie und Beobachtungen aus Sprachkursen für Ältere. Ein Senioren Internet-Kurs im Bereich Sprache kann eine Möglichkeit sein, um mentale Fitness von Menschen zu fördern. Und dass sich dem Abbau des Hippocampus, etwa durch Vokabellernen, gegensteuern lässt, ist eine positive Nachricht nicht nur für Ältere.

Lernfähigkeit im Alter geht nicht verloren. Lernen können bedeutet Anteil haben am sozialen Leben und die Erfahrung von Kompetenz. In der Linguisten-Studie zeigte sich, dass die Senioren mit hoher Motivation, Durchhaltevermögen und Spaß am Sprachen-Lernen ebenfalls erfolgreicher waren. Viele Forscher sind der Meinung, dass auch emotionale und motivationale Aspekte eine besondere Rolle spielen.

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