Prostitution zwischen Arbeit – und Menschenhandel

Foto: © Kamil Majdański @123rf.com

In nur wenigen Ländern dieser Welt gelten so liberale Gesetze für Sexarbeiter_innen, wie in Deutschland. Das ist nicht so sehr eine Reaktion auf gesellschaftlichen Wandel, sondern der aktive Versuch, die Stigmatisierung von Sexarbeiter_innen zu reduzieren. Denn gesellschaftlich werden Sexarbeiter_innen weitgehend geächtet.

Während die Tätigkeit von Sexarbeiter_innen grundsätzlich eine einvernehmliche Dienstleistung zwischen zwei Erwachsenen ist, gibt es immer noch viele Frauen, die unter Zwang ihre Dienste anbieten müssen. Aber auch Opfer von Menschenhändler dürfen weder verachtet noch stigmatisiert werden, sondern benötigen die volle Unterstützung von Behörden und der Gesellschaft.

Sexarbeit ist mehr als nur Sex

Sexarbeiter_innen, ob in Bordellen, einem Straßenstrich oder über Interplattformen wie kaufmich.com bieten eine Dienstleistung an die mehr umfasst, als lediglich „die Beine breit“ zu machen. Die Arbeit ist von Natur aus eine sehr intime und persönliche Tätigkeit. Es handelt sich um eine sehr, körperlich wie geistig, belastende Arbeit. Sexarbeit verlangt den Dienstleistenden große Konzentration, Emphatie und damit verbundene Flexibilität ab.

Die Anforderungen an diesen Beruf sind, ähnlich wie die von Berufe von Beschäftigten im Bereich der Pflege, Psycholog_innen oder Sozialarbeiter_innen. Sexarbeiter_innen müssen sich auf jeden Kunden neu einstellen und auf dessen Bedürfnisse reagieren können. In den Worten einer Sexarbeiterin: „Wir arbeiten mit unserem Mund, nicht unserer Vagina“ (Quelle: digitales-deutsches-frauenarchiv.com, abgerufen am 31.03.2020).

Die Dienstleistung, die näher am Kunden erfolgt, als irgendeine andere Arbeit, erfordert ebenso viel Feingefühl der Sexarbeiter_innen wie Selbstbewusstsein und Verhandlungskompetenz. Denn für jede Sexarbeiter_in muss feststehen, dass in diesem Fall der Kunde nicht „König“ ist. Was möglich ist und was nicht müssen die Anbietenden entscheiden.

Dabei ist die Sexarbeit nur das Berufsbild. Jeder der diesen Beruf aus übt, ist keine Sexarbeiter_in – sondern Mensch.

Prostitution zwischen Beruf und Verbrechen

Legale Sexarbeit findet zwischen zwei erwachsenen Menschen statt, die beide freiwillig in ein Vertragsverhältnis eintreten.

Neben der legalen Prostitution gibt es noch viele Frauen die entweder in einer Grauzone zwischen Freiwilligkeit und wirtschaftlichem Zwang leben, oder Opfer von Menschenhandel geworden sind.

Seit dem – nicht unumstrittene – Prostituiertenschutzgesetz von 2017 hat dafür Sorge getragen, dass sich (laut Angaben des Spiegels) bis Ende des Jahres fast 33.000 Prostituierte in Deutschland bei den verschiedenen Gesundheitsämtern gemeldet haben. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass sich die meisten von diesen aus freien Stücken für die Sexarbeit entschieden haben.

Neben diesen gibt es noch eine große, kaum zu beziffernde, Dunkelzahl Schätzungen. gehen von bis zu 400.000 Betroffenen aus. In diesen Fällen kann davon ausgegangen werden, dass die meisten nicht freiwillig dieser Arbeit nachgehen oder zumindest aus größter wirtschaftlicher oder privater Not dieser Arbeit nachgehen. Noch mehr als Sexarbeiter_innen bedürfen hier Betroffene die Unterstützung und die Akzeptanz von Behörden und Gesellschaft, um ihnen eine Perspektive zu geben, sich aus dieser Notlage heraus zu befreien.

Prostituierte machen unendliche viele Gewalterfahrungen

Als zumindest gesellschaftlich ausgegrenzte Menschen mit wenig Unterstützung von Familie, Freunden und Behörden, und vor allem unfreiwillig Prostituierte, erleben viele Prostituierte Gewalt. So gut wie jede wurde bisher sexuell belästigt und es gibt nur wenige, die noch keine körperliche Gewalt erfahren mussten. Nicht nur wurden 82% aller Prostituierten Opfer von physischer Gewalt, sondern 20% erlitten hierdurch schwere Verletzungen.

Durch ihre gesellschaftliche Ausgrenzung erfahren sie nicht nur weniger Unterstützung, sondern trauen sich in vielen Fällen auch nicht, ärztliche und polizeiliche Hilfe aufzusuchen.

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