Selbstheilung mit psychedelischen Drogen?

Foto: ©Verelly / stock.adobe.com

Über den psychedelisch wirkenden Pflanzensud Ayahuasca ist immer öfter zu lesen. Dieser soll nämlich dabei helfen, Ängste maßgeblich zu reduzieren. Um die versprochene Selbstheilung anzukurbeln, muss ein Trunk aus der Rinde und den Blättern des Baumes als Tee aufgekocht werden. Das Ergebnis des Verzehrs soll in persönlichem Wachstum, innerer Entwicklung und gänzlicher Heilung bestehen. 

Veranstaltungen, bei denen gemeinsam mit einem Schamanen der Trunk der Ayahuasca verzehrt wird, zeichnen sich dadurch aus, dass bei den Teilnehmern, die den Sud der Pflanze aus Südamerika konsumieren, Halluzinationen auftreten und diese sich immer wieder erbrechen müssen. Dies ist schließlich eine der bekannten Nebenwirkungen des psychedelischen Ayahuasca-Erlebnisses. Gezahlt werden für ein solches Erlebnis rund 1.000 Euro. Eine weitaus günstigere und angenehmere Art, körperliche und seelische Leiden zu lindern, besteht in der Anwendung von mimosa hostilis wurzelrinde.

Diese stammt von einem Baum, der in Mexiko sowie anderen lateinamerikanischen Ländern heimisch ist. Die Bevölkerung des Kontinents hat ihm zahlreiche Namen gegeben. Während er in Mexiko als Tepezcohuite bezeichnet wird, ist er in Brasilien als jurema preta, calumbi oder nur jurema bekannt.

Rauschmittel als Heilmittel? 

Im ersten Moment scheint die Idee überaus abwegig, Rauschmittel für Heilungsprozesse zu nutzen. Allerdings wird psychedelischen Substanzen durch die Wissenschaft durchaus ein medizinisches Potential zugeschrieben, um beispielsweise Alkoholabhängigkeiten, Angstzustände oder Depressionen zu lindern. 

In den vergangenen 50 Jahren ist allerdings kaum untersucht worden, wie sich Ayahuasca, Mescalin oder LSD im Detail auf psychische Erkrankungen auswirken. Da die Psychedelikaforschung von den Wissenschaftlern so stark vernachlässigt wurde, eröffnete sich der Weg für selbsternannte Wunderheiler und Schamanen, die immer häufiger auf Ayahuasca-Zaubertränke setzen. 

Langanhaltende Halluzinationen 

Gewonnen wird der Pflanzensud aus der Rinde einer Lianenart und den Blättern des Kaffeestrauchs. Wurde der Tee getrunken, beginnen rund 30 Minuten danach die Halluzinationen, die bis zu sechs Stunden anhalten können, einzusetzen. Diese bestehen aus Visionen, dem Verlassen des eigenen Körpers und der intensiven Wahrnehmung von Geräuschen. Erzeugt werden die Halluzinationen durch das enthaltende Halluzinogen Dimethyltryptamin. 

Die Wirkung von Ayahuasca entfaltet sich besonders im Gehirn, wirkt aber eher beruhigend als euphorisierend. Im Gebiet des Amazonas wird die Ayahuasca bereits seit Jahrhunderten im Zuge religiöser Rituale eingesetzt, um seelisches Leid und Krankheiten zu lindern. 

Die Menschen, welche Ayahuasca in Form von sogenannten Retreats in Europa konsumieren, versprechen sich von diesen Veranstaltungen Linderung von Ängsten und Depressionen und eine neue Selbsterkenntnis. 

Psychotherapien stellen die bessere Alternative dar

Von wie vielen Menschen in Deutschland Ayahuasca regelmäßig verzehrt wird, ist aktuell nicht bekannt. Experten schätzen allerdings, dass das Mittel in Berlin heutzutage von mehreren tausend Menschen in gewissen Abständen konsumiert wird. Statt sich allein und ausschließlich auf unkontrollierte Ayahuasca-Zeremonien zu verlassen, sollte lieber auf die wissenschaftlich akzeptierten und gut etablierten Maßnahmen der Psychotherapie zurückgegriffen werden, um gegen Depression und Angst vorzugehen.

Forscher widmen sich jedoch auch weiterhin den Untersuchungen, ob Ayahuasca gegen psychische Erkrankungen wirksam sein könnte. Schließlich liegen ihnen bereits heute Hinweise vor, dass die Wirkstoffe Harmalin und Harmin, die in der Liane enthalten sind, das Nervenzellenwachstum fördern. Dies könnte sich beispielsweise positiv auf Demenz oder Depressionen auswirken, denn bei diesen Krankheiten ist das Wachstum der Nervenzellen gestört. 

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